Appelle nach Notfall bei Fußball-EM

(Bild: (Symbol) Ingo Kramarek/pixabay.com)Nürnberg (BDA) – Den Kreislaufstillstand des dänischen Fußballspielers Christian Eriksen erlebten am Samstag (12.06.2021) die Zuschauer im Fernsehen live mit. Notfallmediziner appellieren angesichts dieses Ereignisses an die Bevölkerung in Deutschland, sich in Erster Hilfe ausbilden zu lassen.

Experten für Notfallmedizin weisen nach dem Kollaps des Fußballspielers vor allem auf die Bedeutung einer direkten Herzdruckmassage hin: „Millionen Menschen haben miterlebt, wie wichtig und wie wirkungsvoll diese Maßnahme bei einem Herzstillstand ist“, sagt Professor Dr. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA). Der Verband vertritt tausende Notärztinnen und Notärzte. Wie die Kolleginnen und Kollegen in Kopenhagen gezeigt hätten, müssten die Handgriffe schnell und effektiv ausgeführt werden. Nur dann habe der Patient gute Überlebenschancen.

„Es kann jeden Menschen immer und überall treffen“, macht Geldner deutlich. Wie in Kopenhagen geschehen, könnten auch Jüngere und sogar Hochleistungssportler einen plötzlichen Herzstillstand erleiden. Deshalb solle jeder Bürger die drei Schritte „prüfen, rufen, drücken“ verinnerlichen: Prüfen, ob ein Hilfsbedürftiger bewusstlos ist. Hilfe rufen, am besten über den Notruf 112. Und schließlich „drücken“: Beide Hände auf der Mitte des Brustkorbs aufsetzen und den Brustkorb einhundertmal pro Minute vier bis fünf Zentimeter in Richtung Boden drücken.

„Das menschliche Gehirn kann höchstens fünf Minuten ohne Sauerstoff auskommen“, sagt Geldner. „Je länger es bis zur Herzdruckmassage dauert, desto schlechter sind die Chancen, eine Behinderung oder den Tod des Patienten zu verhindern.“

Deutschland kann bei der Ersten Hilfe bei einem Herzstillstand noch deutlich aufholen: Nach Angaben des Deutschen Reanimationsregisters von BDA und DGAI führen Passanten und andere Helfer nur in etwas mehr als 40 Prozent der Fälle die lebensrettende Herzdruckmassage aus. In den Niederlanden und in skandinavischen Ländern liegt die Laienhelfer-Quote beispielsweise bei mehr als 60 Prozent.

„Dass Christian Eriksen schon kurze Zeit später mit seinen Mitspielern sprechen konnte und sie ermutigt hat, weiterzuspielen, ist absolut realistisch, weil bei ihm ja quasi unmittelbar nach dem Kollaps mit der Herzdruckmassage begonnen wurde. Nur so, wenn mit einer Herzmassage innerhalb von weniger als fünf Minuten begonnen wird, ist die Chance auf Überleben ohne Folgeschäden hoch“, sagt Prof. Dr. Michael Müller, Chefarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin, St. Josefs-Krankenhaus in Freiburg und 1. Vorsitzender des Vereins “Region der Lebensretter”.